Temperiertechnik im Schweizer Labormarkt: Warum Beratung den Unterschied macht
Temperaturbereich und Leistung sind wichtige Kriterien – doch die passende Temperierlösung für das Labor richtet sich immer nach der konkreten Anwendung.
29.06.2026
Anlässlich des Besuchs des FAUST Vertriebsteams im neuen JULABO Werk in Lahr konnten wir mit Thomas Hauser, Vertriebschef beim Schweizer Labortechnik-Distributor FAUST, über Temperiertechnik im Schweizer Labormarkt sprechen.
Im Interview erklärt er, worauf Labore bei der Auswahl von Temperiergeräten achten sollten – von Temperaturstabilität und Reproduzierbarkeit bis zu Service, Energieeffizienz und langfristiger Prozesssicherheit.
Das Wichtigste auf einen Blick:
Vorhandene Temperiergeräte werden häufig dann hinterfragt, wenn sie im Alltag nicht mehr genau genug arbeiten, zu langsam reagieren oder zu viel Aufwand verursachen. Welche Temperierlösung wirklich passt, hängt jedoch nicht allein von Temperaturbereich und Leistung ab. Maßgeblich ist die konkrete Anwendung – mit Anforderungen an Temperaturstabilität, Reaktionszeit, Reproduzierbarkeit, Service und zunehmend auch Energieeffizienz.
Herr Hauser, welche Anforderungen stellen Labore an moderne Temperiergeräte?
Kunden kommen häufig mit sehr konkreten Anforderungen an Temperaturstabilität, Reproduzierbarkeit und Prozesssicherheit zu FAUST. Die Anwendungen reichen von analytischen Laboren über Forschung und Entwicklung bis hin zu pharmazeutischen, chemischen und industriellen Prozessen.
Ein typisches Beispiel ist die Temperierung von Doppelmantelreaktoren. Hier ist eine präzise und zuverlässige Temperaturführung entscheidend, damit Reaktionen kontrolliert ablaufen und Ergebnisse reproduzierbar bleiben.
Oft geht es auch darum, bestehende Temperierlösungen zu ersetzen. Das kann der Fall sein, wenn vorhandene Geräte nicht mehr die gewünschte Genauigkeit liefern, zu langsam reagieren oder im täglichen Betrieb zu viel Aufwand verursachen. Ebenso unterstützt FAUST Kunden, die neue Anwendungen aufbauen und noch nicht genau wissen, welche Temperiertechnik langfristig am besten zu ihrem Prozess passt.
Worauf legen Kunden im Schweizer Labormarkt bei Temperierlösungen besonderen Wert?
Der Schweizer Markt ist durch sehr hohe Qualitätsansprüche geprägt. Präzision und Zuverlässigkeit sind für viele Kunden entscheidend, weil ihre Ergebnisse direkt von einer stabilen und reproduzierbaren Temperaturregelung abhängen.
Neben der technischen Leistungsfähigkeit spielen auch Beratung, Reaktionszeit und Service eine große Rolle. Kunden erwarten, dass ihre Anwendung verstanden wird und sie bei Auswahl, Inbetriebnahme und späteren Fragen verlässlich unterstützt werden.
Zunehmend wichtig werden außerdem Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Gerade bei Systemen, die langfristig betrieben werden, achten Kunden verstärkt darauf, wie effizient eine Lösung im Alltag arbeitet und wie gut sie zu ihren langfristigen Anforderungen passt.
Welche Fehler passieren häufig bei der Auswahl von Temperiergeräten?
Ein häufiges Missverständnis ist, dass allein der Temperaturbereich oder die Leistung eines Geräts über dessen Eignung entscheidet. Diese Werte sind wichtig, reichen aber in der Praxis nicht aus, um die passende Lösung zu bestimmen.
Je nach Anwendung spielen weitere Faktoren eine Rolle: zum Beispiel die benötigte Regelgenauigkeit, die Dynamik des Prozesses, das zu temperierende Volumen oder die Umgebungsbedingungen. Auch die Frage, wie schnell und stabil ein System auf Temperaturänderungen reagieren muss, kann entscheidend sein.
Deshalb lohnt es sich, die Anwendung ganzheitlich zu betrachten. Erst wenn die konkreten Anforderungen verstanden sind, lässt sich beurteilen, welche Temperierlösung im täglichen Einsatz wirklich zuverlässig funktioniert.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem erst im Beratungsgespräch deutlich wurde, welche Lösung wirklich passt?
Ein Kunde fragte zunächst ein Standard-Umwälzthermostat an, weil er vor allem auf die gewünschte Temperatur fokussiert war. Im Gespräch stellte sich jedoch heraus, dass für seinen Prozess nicht nur die Zieltemperatur entscheidend war, sondern vor allem eine hohe Temperaturkonstanz und eine schnelle Reaktionszeit.
Durch die gemeinsame Betrachtung der Anwendung konnte eine Lösung ausgewählt werden, die deutlich besser auf die tatsächlichen Anforderungen abgestimmt war. Das Ergebnis waren stabilere Prozesse, reproduzierbarere Messergebnisse und eine höhere Zufriedenheit im täglichen Betrieb.
Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Beratung bei der Auswahl von Temperiertechnik ist. Denn die erste Anfrage beschreibt oft nur einen Teil der Anforderungen. Im Gespräch wird sichtbar, welche Kriterien für den Erfolg der Anwendung wirklich ausschlaggebend sind.
Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Temperierlösung aus – jenseits der technischen Daten?
Eine gute Lösung endet nicht mit der Lieferung des Geräts. Entscheidend ist, dass die Anwendung im Alltag zuverlässig funktioniert und der Kunde langfristig unterstützt wird.
Dazu gehören eine fundierte Beratung im Vorfeld, eine unkomplizierte Inbetriebnahme, schnelle Unterstützung bei Fragen und ein verlässlicher Service über die gesamte Lebensdauer des Systems. Technische Daten sind wichtig – aber sie müssen zur realen Anwendung passen.
Die beste Lösung ist deshalb diejenige, die dem Kunden dauerhaft Sicherheit gibt. Sie unterstützt stabile Prozesse, erleichtert den täglichen Betrieb und ermöglicht es Anwendern, sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.
Die passende Temperierlösung finden
Wer ein Temperiergerät für eine neue Anwendung auswählt oder eine bestehende Lösung ersetzen möchte, sollte nicht nur auf Temperaturbereich und Leistung achten. Entscheidend sind die Anforderungen des gesamten Prozesses – etwa Temperaturstabilität, Reaktionsgeschwindigkeit, Volumen, Energieeffizienz und Service im laufenden Betrieb. JULABO unterstützt Labore und industrielle Anwender bei der Auswahl passender Temperierlösungen – vom Umwälzthermostat bis zum hochdynamischen Prozessthermostat.