Digitale Laborprozesse und präzise Temperierung

Effizienz, Qualität und Prozesssicherheit im Zusammenspiel

Der steigende Wettbewerbsdruck in Forschung und Industrie erfordert zunehmend effiziente, reproduzierbare und zugleich flexible Laborprozesse. Während die Digitalisierung vieler Bereiche bereits weit fortgeschritten ist, bestehen insbesondere im Laborumfeld weiterhin erhebliche Optimierungspotenziale. Medienbrüche, manuelle Eingriffe und isolierte Gerätesysteme führen nicht nur zu Ineffizienzen, sondern erhöhen auch die Fehleranfälligkeit und erschweren die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Moderne, integrierte Lösungen setzen genau an diesen Punkten an und verbinden digitale Workflows mit leistungsfähiger Gerätetechnik zu einem ganzheitlichen Ansatz.

 

Ein praxisnaher Showcase der infoteam Software AG zur Herstellung von Body Butter verdeutlicht, wie sich diese Potenziale mit dem Middleware-Framework „zenLAB®“ konkret erschließen lassen. Im Zentrum steht ein vollständig digitalisierter Workflow, der alle Prozessschritte – von der Materialerfassung über die eigentliche Verarbeitung bis hin zur Dokumentation – nahtlos miteinander verknüpft. Bereits beim Start des Prozesses sorgt ein sicherer Login für die eindeutige Zuordnung aller Aktivitäten. Die Integration in bestehende IT-Strukturen gewährleistet dabei nicht nur Benutzerkomfort, sondern auch eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, die insbesondere in regulierten Branchen essenziell ist.

Die Materialerfassung erfolgt im nächsten Schritt automatisiert über Barcode- oder QR-Code-Scanning. Rohstoffe werden direkt mit hinterlegten Daten aus ERP- oder SAP-Systemen abgeglichen, wodurch Übertragungsfehler vermieden und Prozesse beschleunigt werden. Gleichzeitig startet das System automatisch den passenden Workflow, sodass stets mit den korrekten Parametern gearbeitet wird. Diese intelligente Verknüpfung von Daten und Prozessen stellt sicher, dass die Qualität bereits zu Beginn des Workflows abgesichert wird.

 

Während der eigentlichen Herstellung übernimmt die Plattform die zentrale Steuerung und führt Anwender Schritt für Schritt durch den Prozess. Geräte wie Waagen, Rührsysteme und Temperierlösungen werden automatisch angesteuert und mit den erforderlichen Parametern betrieben. Dadurch wird die manuelle Eingabe minimiert, was nicht nur Fehler reduziert, sondern auch die Reproduzierbarkeit erhöht. Gerade bei temperaturkritischen Anwendungen zeigt sich, wie entscheidend die Kombination aus digitaler Steuerung und präziser Gerätetechnik ist.

Der in dem Showcase eingesetzte JULABO MAGIO MS-310F ist speziell für anspruchsvolle Temperieraufgaben konzipiert und fügt sich nahtlos in digitale Prozessumgebungen ein. Mit seiner leistungsstarken, stufenlos regelbaren Druck- und Saugpumpe stellt er auch bei komplexen externen Kreisläufen eine zuverlässige Versorgung sicher. Förderströme von bis zu 31 Litern pro Minute und ein Förderdruck von bis zu 0,92 bar ermöglichen eine stabile und gleichmäßige Temperierung selbst unter dynamischen Bedingungen.

Die hohe Temperaturgenauigkeit von bis zu ±0,01 °C, realisiert durch die Intelligent Cascade Control, bildet die Grundlage für reproduzierbare Ergebnisse. Gerade in qualitätskritischen Prozessen ist diese Präzision entscheidend, da bereits kleinste Temperaturabweichungen signifikante Auswirkungen auf Materialeigenschaften oder Reaktionsverläufe haben können. Der breite Arbeitstemperaturbereich von -30 °C bis +200 °C erweitert zudem das Anwendungsspektrum und ermöglicht den Einsatz in unterschiedlichsten Szenarien – von der klassischen Laboranwendung bis hin zur industriellen Prozesssimulation.

Neben der reinen Leistungsfähigkeit spielt auch die Integration in digitale Infrastrukturen eine zentrale Rolle. Der Thermostat verfügt über umfangreiche Schnittstellen wie USB, Ethernet, RS232 und Modbus TCP/IP und lässt sich dadurch problemlos in bestehende Automatisierungs- und Steuerungssysteme einbinden. In Kombination mit einem externen Pt100-Anschluss kann die Temperatur direkt in der Anwendung gemessen und geregelt werden, was die Prozessgenauigkeit weiter erhöht. Die intuitive Bedienung über ein großes TFT-Touchdisplay unterstützt zusätzlich die sichere und effiziente Nutzung im Laboralltag.

Parallel zur Prozessdurchführung erfolgt im digitalen Workflow eine kontinuierliche Überwachung aller relevanten Parameter. Das System überprüft beispielsweise automatisch den Kalibrierstatus eingesetzter Geräte und stellt sicher, dass ausschließlich valide Messdaten in den Prozess einfließen. Diese automatisierten Prüfmechanismen erhöhen die Prozesssicherheit erheblich und unterstützen die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in der lückenlosen Dokumentation. Sämtliche Prozessschritte, Parameter und Umgebungsbedingungen werden automatisch in einem Audit Trail erfasst. Dadurch entsteht eine vollständige Transparenz darüber, wer wann welche Aktion durchgeführt hat. Diese Form der Datenerfassung erfüllt höchste Anforderungen an Datenintegrität und Compliance und bildet die Grundlage für Audits sowie Qualitätsnachweise.

Darüber hinaus eröffnet die strukturierte Verfügbarkeit aller Prozessdaten neue Möglichkeiten der Analyse und Optimierung. Unternehmen können auf Basis dieser Daten Engpässe identifizieren, Prozesse verbessern und Qualitätsabweichungen frühzeitig erkennen. Visualisierungen und automatisierte Reports unterstützen dabei, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Auch organisatorisch ergeben sich deutliche Vorteile. Digitale Workflows erleichtern die Einarbeitung neuer Mitarbeitender, da Prozesse klar strukturiert und intuitiv nachvollziehbar sind. Gleichzeitig werden erfahrene Fachkräfte von Routineaufgaben entlastet und können sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren. Die Kombination aus digitaler Prozessführung und leistungsfähiger Gerätetechnik trägt somit nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern auch zur besseren Nutzung vorhandener Ressourcen bei.

Der dargestellte Ansatz zeigt eindrucksvoll, wie sich durch die Verbindung von Digitalisierung und präziser Temperiertechnik ein zukunftsfähiges Laborumfeld gestalten lässt. Während digitale Workflows für Transparenz, Effizienz und Compliance sorgen, gewährleisten leistungsstarke Temperiersysteme wie der MAGIO MS-310F die notwendige Prozessstabilität und Genauigkeit. Erst das Zusammenspiel beider Komponenten ermöglicht es, die steigenden Anforderungen an Qualität und Produktivität nachhaltig zu erfüllen.

In einer Zeit, in der Datenintegrität, Energieeffizienz und Prozesssicherheit zunehmend an Bedeutung gewinnen, wird diese integrierte Herangehensweise zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Sie schafft nicht nur die Grundlage für reproduzierbare Ergebnisse, sondern eröffnet gleichzeitig neue Potenziale für Innovation und kontinuierliche Verbesserung im Labor der Zukunft.